Beworfen und Gebeichtet

onelovelyblog-300x172Wer hier schon eine Weile liest, hat ganz bestimmt mitbekommen, dass tikerscherk zu meinen allerliebsten Menschen, die ich aus dem Internet kenne, zählt. Und da ich Vertrauen in ihr Stilbewusstsein habe, übernehme ich dieses Herzchen-Logo, ohne zu wissen, um was für einen Award es sich da genau handelt. Wer wählt was, wann und warum? Egal! Sie selbst hat bereits sieben intime Geständnisse preisgegeben und hat mich anhand eines Blogstöckchens aufgefordert, meine festen Schuhe anzuziehen, drei Mal auf den Tisch zu klopfen und dann selbst ein paar Geständnisse zu machen. Hoffen wir, dass ich sie nicht bereue und euch damit unterhalte! In diesem Sinne, Geständnisse eins bis sieben wie folgt:

VÄTER Ich schwärmte als Kind und Teenager natürlich für Musiker und Schauspieler, wie die meisten Jungen und Mädchen es in dem Alter tun. Aber anders als meine Freundin etwa, die Dates mit ihren Axl-Rose-Postern hatte, träumte ich davon, dass sie meine Väter wären. Natürlich war da auch Anziehung und sexuelle Neugierde, aber Töchter möchten ja auch zwischenzeitlich ihre Väter heiraten (bei mir war das jedenfalls so). Zu meinen Objekten der Begierde zählten über die Jahre hinweg etwa Slash, Eddie Vedder, Jerry Lewis, Orson Welles, Gene Kelly, Dean Martin, LL Cool J, Kevin Costner und Cary Grant. Vermutlich mehr oder weniger exzentrische Vaterfiguren, die ich mir aussuchte, weil mein eigener Vater mir so sehr fehlte, dass ich es mir nicht eingestehen konnte. Heute erwische ich mich manchmal dabei, wie ich beim Anblick eines (jüngeren) Mannes denke: „Mensch, seine Mutter muss aber stolz auf ihn sein!“ Das nennt man wohl älter werden.

TÖNE Es gibt Musikrichtungen, die scheinbar die ganze Welt in gute Stimmung versetzen, dazu zähle ich Reggae und Ska, aber auch Samba und Bossa Nova. Zugegeben, sehr unterschiedliche Musikrichtungen, aber sie haben gemeinsam, dass sie mich aggressiv machen und mir schlechte Laune bereiten. Manche Lieder von Bob Marley, dessen Größe ich sehr wohl erkenne, mag ich und ich schätze den Reggae in seiner politischen Dimension. Ich wünschte, ich könnte die Melodien ertragen. Bossa Nova nehme ich hingegen als völlig entleert wahr und kriege bei „Girl from Ipanema“ regelrecht Mordgelüste.

SCHERBEN Ich bin Kulturwissenschaftlerin, was ein gewisses Interesse an Kultur voraussetzt. Ich verehre die Literatur, ich habe ein ambivalentes aber sehr intensives Verhältnis zum Film, ich bewundere die Malerei, ich schätze die Fotografie und ich liebe die Musik (Ausnahmen siehe oben). Aber in Museen mit römischen, germanischen, altägyptischen, antiken oder sonstigen vor- und frühgeschichtlichen Sammlungen benehme ich mich vermutlich wie ein gelangweilter Teenager. Es ist mir sehr unangenehm, aber ich kann mir nicht helfen, die Alltagsgegenstände vergangener Zeiten interessieren mich einfach nicht besonders.

LIEBE Ich halte mich selbst für keine besonders gute Freundin. Ich telefoniere nur sehr widerwillig, ich schreibe ungern lange Nachrichten und ich melde mich manchmal wochenlang nicht. Ich wünschte, es gäbe einen Weg, im Geiste eine Verbindung mit den Menschen, die ich liebe, aufzunehmen, ihnen ohne große Worte ein Zeichen zu senden. Denn ich habe sehr wohl Freundinnen und Freunde, an die ich fast täglich denke, auch wenn ich mich so gut wie nie bei ihnen melde. Früher habe ich stundenlang telefoniert, lange Briefe verfasst, Musikkassetten aufgenommen, an Geburtstage gedacht. Ich weiß nicht, warum mir das abhanden gekommen ist, aber ich bereue es oft, dass ich nicht am alltäglichen Leben meiner Freunde teilnehme.

LEITKULTUR Ich mag Heino Ferch, es tut mir leid.

PAPIER Ich horte Zeitungen und trenne mich nur sehr widerwillig von ihnen. Ich sammele nichts und bin sehr ordentlich, aber mein Zeitungsstapel ist mein ganz persönliches, chaotisches Heiligtum. Ich sammele Zeitungen meist in der Hoffnung, sie bald zu lesen, was ich manchmal erst Wochen später schaffe. Etwa einmal im Jahr gehe ich den Stapel durch, sortiere alte Wirtschaftsteile aus, lese ein wenig, ordne die Seiten nach Interesse und Wichtigkeit (für später). Zuletzt habe ich das an Weihnachten getan, wo ich Feuilletonseiten von 2012 gefunden habe. Ich habe immer Teile des Stapels dabei, etwa für die Bahn oder das Wartezimmer. Auch auf Reisen nehme ich alte Zeitungsseiten mit. Im letzten Sommer hat meine Schwiegermutter den Stapel, den ich für den Urlaub mit nach Schweden genommen habe, in den Kamin geworfen. Davon habe ich mich bis heute nicht erholt.

NUMMERN Wie ich hier bei den 11 Fragen vor fast genau einem Jahr nicht nur erzählt, sondern auch bewiesen habe, kann ich mit Zahlen nicht sehr gut umgehen. Ich belasse es also bei diesen sechseinhalb Geständnissen!

MEHR Ich lade alle, die in meiner Lieblingsliste sind, dazu ein, an dieser Sache hier teilzunehmen. Nun weiß ich, dass Pagophila bereits teilnimmt, aber wie sieht es bei euch aus, Florian und Verfasser? Iris ist noch nicht in der Liste, vermutlich weil ich sie noch besser kennenlernen muss. Das wäre doch eine super Gelegenheit, oder Iris? Die liebe Franzi möchte ich auch gern zum Beichten auffordern. Und da der charmante Herr Möller mir damals mein erstes Stöckchen zukommen ließ, steht er nun mehr als in der Pflicht. Henning wird etwas auf Englisch schreiben und alle anderen dürfen nun schauen, ob sie schon haben oder noch wollen!

13 Gedanken zu “Beworfen und Gebeichtet

  1. Ein ganz wunderbarer und angenehmer Text, der bei mir Lächeln hervorgebracht hat 🙂

  2. Ich frage mich doch tatsächlich, ob wir unter demselben Sternzeichen geboren sind, gewisse Ähnlichkeiten machen mich nämlich gerade sprachlos. Väter, Musik, Scherben, Freundschaft, Papier, das alles könnte in wesentlichen Teilen von mir sein. Nur was Heino Ferch angeht, da gestehe ich an dieser Stelle einfach mal, dass ich ihn liebe und, sorry, mich auch überhaupt nicht dafür schäme. (Er hat zufälligerweise am selben Tag Geburtstag wie mein Vater..;-)

    • Ich musste sehr lachen, das wird einer meiner Kommentar-Favoriten! Heino, hurra!
      Und erstaunlich, ich hätte nicht vermutet, dass wir so ähnlich sind! Sternzeichen ist leicht beantwortet, ich bin Schütze mit Aszendent Skorpion und glaube da rein gar nicht dran obwohl es alles stimmt! 😉

      • Tja, Fehlanzeige… Zwilling, Aszendent Krebs. Mit dem Glauben ist das auch bei mir so eine Sache, aber für möglich halte ich grundsätzlich alles. Wenn jemand Feuer macht, bin ich begeistert und zeige ihm einen schönen Ball aus Schnee..;-)

      • Ich habe das Problem, daß in dem WP-Reader nicht alle Posts von allen Blogs angezeigt werden, sondern jeden Tag eine andere Auswahl präsentiert bekomme (soweit ich das eruieren kann). Aber vielleicht ist das eben so bei mehreren hundert abonnierten Blogs. Oder ich muß mir mal eine Liste machen mit den wirklich wichtigen Blogs, die ich gerne lesen möchte. – Ha, gute Idee, das … 🙂

        Herzliche Grüße,
        Der Salva 🙂

  3. Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast dieses Blogstöckchen mizumachen!
    Das mit den liebsten Menschen im Internet kann ich genau so zurückgeben. Dazu gehörst Du bei mir ebenso, weisste ja.
    Auch wir beiden haben Gemeinsamkeiten, nämlich das Desinteresse für Scherben und die Sache mit der Freundschaft. Innerlich bin ich die loyalste Freundin der Welt. Immer mit Gedanken bei meinen Lieben. Äußerlich könnte man meinen meine Freunde wären mir egal. Ich rufe nicht an, schreibe weder sms, noch Briefe, noch Postkarten. Antworte nicht mal darauf, wenn ich welche bekomme usw. Ich weiss nicht woher das kommt, aber ich brauche es, dass sie auf mich zugehen. Dann freue ich mich, habe Zeit und genieße das Zusammensein.
    Zum Glück kennen sie mich und verzeihen mir das.

    Erstaunt hat mich die Sache mit dem Bossa Nova. Girl from Ipanema verstehe ich, aber die wunderbaren Aufnahmen von Vinicius ud Tocquinho, die so entspannt und lebensfreundlich sind, die mag ich schon sehr gerne.
    Mordgelüste sind wahrscheinlich Gas gegenteil von dem, was sie erzeugen sollen 😉

    Heino Ferch musste ich nachschauen. Ist der irgendwie unbeliebt oder uncool?

    • Das ist tröstlich, es ist in Freundschaften immer wichtig, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist! Ich fürchte, ich habe Freunde, die mir das schon übel nehmen. Vermutlich weil sie mich noch aus einer Zeit kennen, in der ich zuverlässiger war. Es ist, wie du schreibst, ich freue mich, wenn sie auf mich zugehen und genieße es, Zeit mit ihnen zu verbringen, ich bin aber manchmal auch sehr schlecht mit Antworten.
      Ich gebe Vinicius & Toquinho mal eine Chance, ich fürchte nur, dass das nichts mehr wird. Entspannt und lebensfreundlich ist leider nicht mein Ding, haha! Mein Freund findet es ja ganz schrecklich, dass ich keinen Reggae mag. Für ihn ist es ein Zeichen für einen charakterlichen Defekt, wenn man bei Linton Kwesi Johnson nicht anfängt, mit den Tränen zu kämpfen. Auch ein großer Künstler, nur die Musik… Den magst du ja auch sehr, oder?
      Hat mir total Spaß gemacht, also danke ich dir für das Blogstöckchen!

  4. Pingback: Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter — Trotzendorff

  5. Da haben wir auch einige Parallelen, gerade im Bereich Freundschaft und Scherben, wobei das mit den Scherben für mich ziemlich prekär ist, weil ich theoretisch damit arbeiten können müsste. Aber sieh selber, ich habe mitgemacht. 😉

  6. Pingback: Aus dunkler Erinnerung | Zurück in Berlin

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